Einblicke in den Forschungsprozess

Master-Studienreise "Koloniale (Un)Sichtbarkeiten in der Schweiz"

In einer unter der Leitung von Damir Skenderovic durchgeführten Studienreise gingen wir zusammen mit Master-Studierenden eine Woche lang den sicht- und unsichtbaren Verflechtungen in der Schweiz nach. Wir besuchten verschiedene Ortschaften und Städte, wo wir nicht nur deren Kolonialgeschichte beleuchteten. sondern auch den heutigen Umgang mit derselben diskutierten. Damit griffen wir aktuelle Debatten um Umbennenungen, Restitutionen, Denkmalstürze oder rassistische Repräsentationen im öffentlichen Raum auf.


Internationaler Workshop 'Religion in Kontakt und Konflikt'

Nachdem Religion lange Zeit in der historischen Forschung wenig Beachtung fand, wird sie inzwischen als ein wichtiger Bestandteil geschichtlichen Wandels untersucht und zusehends auch in ihren globalen Bezügen ausgeleuchtet. Zur Disposition steht vor allem die lange Zeit dominierende Säkularisierungsthese, welche für moderne Gesellschaften einen Bedeutungsverlust des Religiösen voraussetzt.

Im Workshop wurden einerseits die Bereiche des Religiösen und Säkularen als miteinander verwoben und sich gegenseitig konstituierend verstanden, andererseits im Sinne einer 'geteilten Geschichte' sowohl verbindende als auch trennende Aspekte religiöser Beziehung über grosse Distanzen berücksichtigt. Der Blick auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts erlaubte es, die vielfältigen Transformationen religiöser Botschaften, Argumentationsmuster und Ausdrucksformen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Individualisierung, Pluralisierung und Rationalisierung sowie der Etablierung neuer medialer Kommunikationsformen zu untersuchen. 

Hier zum Programm


Internationaler Workshop 'Afrikanisch-europäische Verflechtungsgeschichten im 20. Jahrhundert'

 

Im Februar 2019 organisierte das Forschungsteam an der Universität Fribourg einen internationalen Workshop zu afrikanisch-europäischen Verflechtungsgeschichten im 20. Jahrhundert. Das Zusammenbringen unterschiedlicher Perspektiven und der Fokus auf verschiedene Akteur*innen ermöglichte einen überkreuzten Blick auf die geteilte Geschichte der geographisch weitentfernten Regionen.

Am Vormittag standen die Tätigkeiten von Vertreter*innen des IKRK im Kongo sowie von katholischen Missionaren im kolonialen Simbabwe im Zentrum. Am Nachmittag wurde der Blick umgekehrt und auf die Präsenz schwarzer Menschen in Deutschland und algerischer Student*innen in der Schweiz gerichtet.


Während des gesamten Workshops wurden einerseits die so entstandenen Kontaktzonen in ihren dynamischen Dimensionen betrachtet, andererseits transregionale Zirkulationsprozesse von Inhalten, Wissensbeständen und Deutungsmustern verdeutlicht. Der intensive wissenschaftliche Austausch erlaubte es, theoretische Zugänge, Konzepte sowie praktische Umsetzungen von verflechtungsgeschichtlichen Ansätzen herauszuarbeiten und zu diskutieren.


Forschungsaufenthalt Simbabwe Januar 2018

Religion als sinnstiftendes und alltagsstrukturierendes Element bildet einen fundamentalen Bestandteil der simbabwischen Gesellschaft. Bereits während der Taxifahrt vom Flughafen in die Hauptstadt Harare wird die konfessionelle Zugehörigkeit thematisiert, längere Busreisen schliessen mit einem gemeinsamen Gebet und selbst der Kontext von Alltagsdienstleistungen wird für Bekehrungsversuche genutzt. 

In den National Archives of Zimbabwe,  welche ebenfalls von Versammlungsorten der unterschiedlichen Denominationen umgeben sind,  lagern umfangreiche Bestände zur Kolonialzeit des Landes. Diese Quellen ermöglichen Einblicke in die Beziehungen zwischen Missionen und kolonialen Autoritäten und beleuchten damit die diversen strukturellen Möglichkeiten und Grenzen, in welche die schweizerischen Akteure eingeflochten waren. 

 

Gottesdienst unter freiem Himmel, Driefontein
Gottesdienst unter freiem Himmel, Driefontein
Regionalhaus Driefontein
Regionalhaus Driefontein

 

Rund 200 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, leben im Regionalhaus Driefontein die letzten elf Missionare der SMB in Simbabwe. Das Land, in dem sie den Grossteil ihres Lebens verbracht haben und welches den Mittelpunkt ihres Wirkens darstellte, ist ihnen zur Heimat geworden. Die zahlreichen Institutionen, welche durch die Missionare initiiert, errichtet und ausgebaut wurden, stehen heute unter der Leitung der lokalen Kirche, wie dies von Anfang an von der SMB angestrebt wurde. Die katholischen Schulen, Waisenhäuser, Spitäler und Berufsbildungsstätten prägen das Leben der Menschen in der Region bis heute und der sonntägliche Kirchgang wird als Höhepunkt der Woche zelebriert. 


Der heutige Einsatz der Missionare beschränkt sich auf priesterliche Aushilfstätigkeiten im Umkreis des Regionalhauses Driefontein. Dort finden sich noch einige interessante Quellen, auch wenn die meisten Dokumente der SMB bereits ins schweizerische Archiv transferiert wurden. Darüberhinaus eröffneten die Unterhaltungen mit den gastfreundlichen Missionaren neue Perspektiven und ihre Ausführungen zu den jeweiligen Schauplätzen regten weiterführende Überlegungen an.